Tongariro Circuit

Am Morgen frühstückten wir gemütlich und packten unsere Rucksäcke für die anstehende Wanderung. Alle Sachen, die wir auf der Wanderung nicht brauchen würden, wurden extra gepackt und später im Auto belassen. Danach machten wir uns mit unserem Mietwagen auf den Weg zum Tongariro Nationalpark. Ein großer Teil der Strecke führte uns am Lake Taupo entlang, später ging es dann über eine Bergkette. Dahinter kamen die drei großen Berge, allesamt Vulkane, des Tongariro Nationalparks in unsere Sicht: der Tongariro (1909 m), der Mt Nghauruhoe (2287 m) und der Mt Ruapehu (2797 m). Der mittlere ist der bekannteste, allerdings unter dem Namen Mt Doom oder Schicksalsberg aus “Herr der Ringe“.

Die erste Etappe ging entlang der westlichen Seite von Mt Doom, erst durch einen schönen Wald, später durch Buschland auf einem super stark erodierten Weg. Nach acht anstrengenden km kamen wir mit unseren schweren Rucksäcken an der ersten Hütte, der Mangatepopo Hut an. Wir haben erst mal nicht schlecht gestaunt, wie primitiv die Hütte verglichen mit denen, die wir aus den Alpen kannten, war. Sehr klein, voll belegt und sehr eng. Dazu mit nur einem Waschbecken und zwei Plumsklos. Aber: schon nach ein bis zwei Stunden merkte man, dass viele nette Leute auf der Hüte waren, mit denen man sehr gut auskam. Dabei war eine große Gruppe von sehr relaxten, netten älteren Wanderern aus Melbourne, welche uns die nächsten drei Tage begleiten sollte. Wir hatten über die Zeit mehrere interessante Gespräche.

Etappe zwei ging über unzählige Stufen hoch auf eine Ebene, und dann sehr steil weiter hoch auf den Rand des Red Crater (1886 m). Auf diesem Teilstück fühlte man sich einige Male an Mordor erinnert. Es fehlten nur dunkle Wolken, ein wenig Feuer und Orks. Von dem Kraterrand hatte man einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge und in den Krater. Hier oben ging aber ein eisiger Wind, so dass wir uns nach ein paar Fotos schnell wieder an den Abstieg machten. Dieser war noch steiler als der Aufstieg und dazu auf losem Schotter. Dann kamen wir an den Emerald Lakes vorbei, einer Gruppe von kleinen Seen, die wegen geothermaler Aktivitäten in ungewöhnlichen Farben leuchteten. Bis hier hin hatten wir uns die zweite Etappe mit dem Tageswanderern des Tongariro Alpin Crossings teilen müssen und es war sehr voll. Jetzt bogen wir aber von dieser Route ab und mit einem Schlag wurde es Menschenleer. Erst einmal ging es durch Lavaströme weiter steil bergab. Später dann den Rest der Etappe wieder über eine Ebene, die über und über mit großen Lava-Brocken übersät war. Man bekam einen guten Eindruck, wie diese Landschaft einmal entstanden ist. Kaputt aber glücklich kamen wir auf der Oturere Hut an. Diese war noch kleiner als die letzte Hütte. Aber das wir so früh dort waren, konnten wir uns diesmal einen Schlafplatz aussuchen und mussten nicht nehmen, was übrig war.

[ Bilder ]

Etappe drei war eine recht kurze Etappe (8 km), welche zuerst durch eine weite wüstenartige Landschaft über mehrere Hügel führte. Gegen Ende der Etappe ging es steil bergab in ein sehr schönes Wäldchen hinein. Unten angelangt überquerten wir einen kleinen Fluss und dann ging es genauso steil wieder durch das Wäldchen hinauf. Hinter dem Anstieg ein weiteres mal bergab und dann waren wir schon um 12 Uhr am Ziel unserer heutigen Etappe, ohne dass uns auch nur ein Mensch auf den 8 km begegnet wäre. Die Waihohonu Hut war deutlich komfortabler als die zwei letzten Hütten. Die Schlafräume und insbesondere der Aufenthaltsraum mit Küche waren deutlich größer und heller. Alles war deutlich neuer. Wir waren an diesem Tag früh los marschiert und waren auch schnell unterwegs gewesen, und so waren wir heute die ersten in der großen Hütte. Wir schauen uns in Ruhe um, belegten die besten Betten und den nettesten Platz um Aufenthaltsraum. Dann machten wir uns gemütlich Mittag. Während wir aßen, kamen dann die nächsten Wanderer, unsere inzwischen guten Bekannten aus Melbourne. Auch sie fanden die Hütte natürlich prima und so entwickelte sich ein entspannter Nachmittag und Abend mit vielen Unterhaltungen, Lesen und Musik hören.

Am nächsten Morgen trennten sich dann unsere Wege von der Truppe aus Melbourne, da sie von hier einen anderen Weg nahmen. Mit großem Trara wurden wir verabschiedet, alle kamen noch einmal schnell herbei und wir dankten uns gegenseitig für die netten Stunden und Gespräche. Erstaunlich, wie man in drei Tagen zusammen wachsen kann. Vielleicht aber auch kein Wunder bei solch beengten Bedingungen. Die vierte Etappe war noch einmal lang, ca 15 km. Dafür waren es aber nur wenige Höhenmeter und die Rucksäcke waren ja inzwischen auch leichter geworden. Nach ca. drei Viertel der Strecke machten wir einen Abstecher zum Lower Tamara Lake, ein See in einem alten Vulkankrater. Beeindruckend groß und tief! Kurz vor Schluss kamen wir noch an einem Wasserfall vorbei und dann waren wir wieder im Wakapapa Village, unserem Ausgangsort angekommen.

Es war trotz der spartanischen Hütten eine tolle Wanderung mit vielen schönen Landschaften, Erlebnissen und netten Mitwanderern! Die Strapazen haben sich wirklich gelohnt. Und natürlich waren wir am Ende froh, dass wir es wieder aus Mordor heraus geschafft hatten…

Verlauf der Tour:
1 Wakapapa Village – Mangatepopo Hut
2 Mangatepopo Hut – Red Crater – Emerald Lakes – Oturere Hut
3 Oturere Hut – Waihohonu Hut
4 Waihohonu Hut – Lower Tamara Lake – Wakapapa Village

Höhepunkte aus meiner Sicht:
– Die netten Mitwanderer
– Aufstieg und Landschaft vor dem Red Crater
– Aussicht auf dem Red Crater
– Atmosphäre in den einsame wüstenartigen Landschaften
– Aufenthalt in der Waihohonu Hut

[Karte]

[Höhenprofile]




[Statistik]

DatumStreckeHöhenmeterTiefenmeterDauer
12.11.20179,63442603:22
13.11.201711,57725905:12
14.11.20178,03315312:38
15.11.201717,55514615:29
Summe46,61998184216:41

[GPS-Track]

*.gpx-Datei.