Mountainbike Transalp 2014

[Teilnehmer]

In der Reihenfolge des ersten Bildes unten: Frank, Ralf, Mathias, Tomas, Arndt

[Beschreibung]

Wie schon so oft, fuhren wir am Freitag Abend um kurz vor 0:00 Uhr mit dem Nachtzug in Braunschweig los und kamen mäßig ausgeschlafen um 9:00 Uhr in Lermoos am Fuß der Zugspitze an. Nach einem kurzen Frühstück in der örtlichen Bäckerei ging die Tour in Richtung Fernpass los, welcher schnell erklommen war. Nach einer Pause auf dem Pass ging es in die Abfahrt in das Tegestal, welche zum ersten mal meine Mountainbike-Geister weckte. Bisher wollte bei mir nicht so richtig Stimmung aufkommen, doch nun merkte auch ich langsam, dass eine tolle Woche vor uns lag.

Unten im Tal erwartete uns eine Enttäuschung: Die Auffahrt zu unserem nächsten Zwischenziel, dem Dirstentrittkreuz, war unter Androhung von Strafe gesperrt. Da wir schon davon gehört hatten, dass die östereichische Polizei/Forstleute keinen Spaß verstehen, wenn man solche Verbote missachtet, entschlossen wir uns für die Fahrt am Fluss entlang bis zu unserem ersten Etappenziel Imst. Ohne die Höhenmeter auf das Dirstentrittkreuz war die Fahrt schnell gemacht, pünktlich zum Mittag waren wir in unserer Pension angekommen.

Beim Mittag überlegten wir uns eine Nachmittagsrunde, welche uns hinauf zur Obermarkter Alpe führte. Kurz vor dem höchsten Punkt begann es zu regnen. Der Regen wurde schnell stärker und hörte auch nicht mehr auf, nach einer viertel Std. unter Bäumen machten wir uns in voller Regenkleidung wieder auf den Weg. Nach kurzer Zeit sahen wir ziemlich übel aus, fanden aber ein paar tolle anspruchsvolle Trails. Zurück in Imst folgte am Dorfbrunnen erst mal eine ordentliche Reinigung der Räder und der Regenkleidung…

Etappe zwei führte uns von Imst am Inn entlang nach Landeck und von dort weiter durch das Paznauntal bis nach Ischgl. Einziger Höhepunkt war ein kurzer, schöner Trail vor ‚See‘.

Am dritten Tag fuhren wir erst mal in einen Fahrradladen in Ischgl, um mir Ersatz für meine kaputte Sattelstütze zu besorgen. Danach ging es mit der Seilbahn hinauf auf über 2700 m und dann per MTB weiter auf die Greitspitz (2872 m) mit einer super Aussicht auf die umliegenden Berge. Der folgende Singletrail war aufgrund der Regenfälle der letzten Tage leider sehr aufgeweicht und rutschig und darum sehr schwierig zu fahren. Weiter unten ging er in einen Schotterweg über, der uns in rasanter Fahrt bis nach Samnaun brachte. Danach dann weiter auf dem Zitateweg und bald auf der Asphaltstraße durch viele Tunnel in irrsinnig schneller Fahrt hinunter ins Inntal. Hier fuhren wir auf der Bundesstraße bei starkem Gegenwind im Belgischen Kreisel bis kurz vor Strada in der Schweiz und bogen dann nach Süden ab. Nun ging es erst auf Schotterwegen und später auf einem sehr schönen kleinen Pfad hinauf bis zum wunderschön gelegenen Schwarzen See. Leider war der Wind hier sehr kalt. Darum machten wir uns schnell wieder auf den Weg, um die letzten km bis zu unserem Etappenziel Nauders hinter uns zu bringen. Diese letzten km entpuppten sich als ein anspruchsvoller Singletrail, der ein prima Abschluss dieser Etappe bildete.

Die vierte Etappe sollte uns von Nauders am Reschensee nach St. Maria im Val Müstair führen. Ich fühlte mich schon am Vortag so schlapp, dass ich entschied, mich von der Gruppe zu trennen und eine Abkürzung zu fahren. Die eigentliche Route führte den Rest der Gruppe über die Martina-Trails erneut hinunter in das Inntal und dann weiter nach Westen bis Scuol. Dann hinauf durch das wunderschöne Val S-charl (mir noch von der Transalp 2010 bekannt) zum Constainas-Pass und weiter über einen rasanten Trail hinunter ins Val Müstair nach St. Maria. Ich hingegen fuhr von Nauders direkt zum Reschensee hinauf und dann immer mit Blick auf den wolkenverhangenen Ortler den wunderbaren Etschtal-Radweg rasant hinunter. In Laatsch bog ich in das Val Müstair ein und war schon gegen Mittag in der 1537 erbauten Jugendherberge von St. Maria. Hier konnte mich so den ganzen Nachmittag erholen und neue Kräfte sammeln.

[ Bilder ]


© aller Bilder: Arndt und Tomas

Nach dem Aufenthalt in dem fast 500 Jahre alten Gebäude starteten wir am Morgen des fünften Tages in Richtung des Passes Döss Radond hinauf, welcher den „Eingang“ in das dahinter liegende Val Mora bildet. Einige von uns kannten das Val Mora schon von der Transalp 2010, doch auch bei der zweiten Durchfahrt war es wieder ein erhebendes Gefühl durch die beeindruckende Landschaft des Val Mora zu fahren. Bei der Abfahrt auf der breiten Schotterpiste durch das Val Mora kam uns völlig überraschend eine frei laufende Pferdeherde entgegen. Einige Pferde passierten uns auf der linken Seite des Weges, einige auf der rechten Seite, ein tolles Erlebnis! Danach folgte der bekannte Singletrail bis runter zur schweizerisch-italienischen Grenze, welcher uns auch schon von der Transalp 2010 bekannt war. Er hat nur sehr wenig Gefälle, geht auch immer wieder leicht bergauf, macht aber trotzdem unheimlich viel Spaß. Nach einer schönen Mittagspause am Lago di San Giacomo machten wir uns an die Auffahrt hinauf auf die Alpe Trela und dann weiter zum Passo Trela. Auch hier erwartete uns eine atemberaubende Landschaft, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Hinter dem Passo Trela folgte ein Trail der Extraklasse hinunter bis zum Lago di Livigno. Im oberen Teil Flow ohne Ende, nach einem kurzen Zwischenanstieg im unteren Teil etwas anspruchsvoller durch ein Wäldchen, aber immer noch mit viel Speed, ich geriet unweigerlich in einen Rausch! Dieser Singletrail gehört aus meiner Sicht mit zu den Top 3 Trails, die ich in meinem Mountainbikerleben bisher fahren durfte!

Unten, am Ufer des Lago Livigno angekommen, konnten wir unser Glück nicht fassen, so einen Mountainbike-Tag erlebt zu haben! Atemberaubende Landschaften, Trails wie im Mountainbikerparadies, super Wetter und tolle Aussichten den ganzen Tag! Dafür trainiert man das ganze Frühjahr!

Etappe sechs ging gemütlich mit einer Seilbahnfahrt auf den Mottolino (2400 m) los. Hier oben hatten wir eine Fahrt über eine künstlich angelegte Downhill-Strecke eingeplant, welche sich als Enttäuschung herausstellte. Direkt danach ging es aber weiter auf den Panoramatrail hoch über dem Livigno-Tal, welcher sofort wieder die kurze Enttäuschung vergessen machte. Kurvenreich zieht sich dieser Trail immer spektakulär „am Abgrund“ entlang. Wenn man mal eine Pause einlegt, kann man ein super Panorama über das Tal und über die in der Ferne liegenden 4000er Gipfel genießen. Später verliert man immer mehr an Höhe und der Trail führt in ein Seitental, in welchem man dann an einem Fluss entlang etwas anspruchsvoller aber immer noch mit Tempo durch ein Wäldchen bis hinunter ins Livigno-Tal rauscht. Schon wieder so ein super Trail! Danach weiter auf den Pass Forcola di Livigno und dahinter über zum Teil anspruchsvolle technische Trails hinunter nach Poschiavo. Hier bestiegen wir den Benina-Express, der uns über eine spektakuläre und serpentinenreiche Strecke 1300 hm nach oben zum Bernina-Pass (2328 m) brachte. Bevor wir uns wieder an die Abfahrt machen konnten, wurden wir erst mal von der faszinierenden Aussicht auf den Lago Bianco, den dahinter liegenden Cambrenagletscher und die umliegenden Gipfel wie den Piz Bernina (4048 m, einziger 4000er der Ostalpen) in den Bann genommen. Die folgende Abfahrt ging zum größten Teil auf Schotterwegen hinunter bis nach St. Moritz, dem Ziel dieser Etappe.

Die siebte Etappe war mit 104 km die längste Etappe unserer Tour, es ging aber auch deutlich mehr bergab als bergauf. Die lange Abfahrt teilte sich sehr interessant in Asphaltanteile mit hoher Geschwindigkeit und immer wieder in anspruchsvolle kurze Trails auf. Wir kamen auch immer wieder durch interessante Dörfer, die jetzt merklich italienischer wurden. Die letzten 30 km waren dann eine Fahrt auf einem asphaltierten Radweg bei ordentlichem Gegenwind. Hier perfektionierten wir die Fahrt im Belgischen Kreisel, welchen wir über viele km mit hohem Tempo durchhielten. Wie es angedacht ist, hielten wir über eine lange Strecke ein viel höheres Tempo durch, als es jedem einzelnen bei einem solchen Gegenwind möglich gewesen wäre. Dann waren wir am Lago di Como, unserem Ziel der Transalp! Natürlich folgte ein ausgiebiges Bad, bevor wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, etwas weiter südlich am See, machten. Hier hatten wir ein Zimmer mit Balkon, von welchem wir einen super Blick über den Lago hatten. Ein prima Ort für eine kleine „Abschluss-Party“…

An Tag 8 mussten wir noch eine halbe Etappe bewältigen, um den Bahnhof in Lugano zu erreichen, von welchen wir wieder mit dem Zug in Richtung Heimat starten wollten. Diese letzte halbe Etappe war landschaftlich sehr interessant, da wir erst mit einer Fähre an das westliche Lago di Como-Ufer und dann wieder per MTB über einen nicht allzu hohen Pass rüber zum Lago di Lugano fuhren. Auch hier gab es wieder tolle Wege am oder über dem See-Ufer, schnell waren wir in Lugano. Nach einer gemütlichen Brotzeit im sehr mondänen Park am Seeufer ging es weiter zum Bahnhof, wo wir einen Zug bestiegen, der uns in wenigen Stunden nach Zürich brachte. Hier hatten wir gerade so viel Aufenthalt, dass wir wiederum am Ufer eines Sees, hier der Zürichsee, unser Picknick am Abend einnehmen konnten. Frühstück mit Blick auf den Lago di Como, Mittag am Lago di Lugano, Abendessen am Zürichsee… Am Abend bestiegen wir dann in Zürich einen Nachtzug, welcher uns über Nacht bis nach Hause brachte.

Verlauf der Tour:
1 Lermoos – Fernpass – Imst – Obermarkter Alpe – Imst
2 Imst – Landeck – Ischgl
3 Ischgl – Greitspitze – Samnaun – Martina – Schwarzsee – Nauders
4 Nauders – Martina – Scuol – Passo Costainas – Santa Maria (bzw. Nauders – Reschenpass – Laatsch – Santa Maria)
5 Santa Maria – Döss Radond – Val Mora – Passo Trela – Livigno
6 Livigno – Il Mottolino – Panoramic route – Forcola di Livigno – Poschiavo – Berninapass – St. Moritz
7 St. Moritz – Maloja – Chiavenna – Colico – Bellano
8 Bellano – Varenna – Menaggio – Lugano

Höhepunkte aus meiner Sicht:
– 360°-Panorama von der Greitspitze über Ischgl
– Landschaft im Val Mora
– Singletrail (S1) im Val Mora
– Landschaft an der Alpe Trela
– Singletrail (S1) hinter Passo Trela
– Panorama-Trail (S1) über Livigno
– Zugfahrt im Bernina-Express
– Landschaft am Berninagletscher

[Video]

[Karte]

[Höhenprofile]









[Statistik]

DatumStreckeAnstiegDauer
23.08.201450,5 km1395 hm08:14 Std.
24.08.201455,7 km1401 hm06:46 Std.
25.08.201451,7 km1116 hm07:41 Std.
26.08.201461,0 km1674 hm11:18 Std.
26.08.2014 alternativ42,1 km720 hm03:22 Std.
27.08.201447,4 km1513 hm07:07 Std.
28.08.201467,1 km978 hm09:25 Std.
29.08.2014104,4 km800 hm09:08 Std.
30.08.201436,1 km493 hm05:09 Std.
Summe437,8 km
(418,9 km)
9370 hm
(8416 hm)

[GPS-Track]

Die Planung unserer Route basierte auf dem genialen Bike-GPS Tourenplaner vom ‚MTB Hall of Fame‘-Mitglied Uli Stanciu.
*.gpx-Datei.