Milford Track

Wir hatten vor unserem Urlaub gelesen, dass es im Fjordland von Neuseeland 10 mal so viel regnet wie in Norddeutschland. Ist so!

Von Te Anau fuhren wir bei sehr warmen Wetter mit einem gebuchten Shuttle zum Bootsanleger Te Anau Downs, ca. 25 km nördlich. Dort mussten wir nicht lange auf das Boot warten, welches uns zur Glade Wharf am nördlichen Ende des Lake Te Anau, gleichzeitig der Start des Milford Tracks, brachte. Schon die Bootsfahrt war ein tolles Erlebnis. Je weiter wir nach Norden kamen, umso spektakulärer wurden die Berge rechts und links vom See.

Nach ca. einer Stunde Fahrt gingen alle erwartungsfroh von Bord. Zunächst stand Desinfektion der Schuhe an. Man achtet hier wirklich sehr darauf, dass nichts in die Nationalparks eingeschleppt wird. Danach das obligatorische Foto vor dem Schild “Milford Track“. Und dann ging es endlich los! Auf diesem Moment hatte ich bestimmt 10 Jahre gewartet, seit ich einmal in einem Buch von dieser Wanderung gelesen hatte. Zunächst noch mit vielen anderen Wanderern vom Boot zusammen, nach kurzer Zeit allein, wanderten wir den Clinton River hinauf. Bald querte der Weg den Fluss über eine spektakuläre Hängebrücke, wie es in den kommenden Tagen noch oft passieren sollte. Immer wieder gab es jetzt tolle Blicke auf den Fluss und die Berge. Kurz vor unserem Tagesziel, der Clinton Hut, gab es noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt. Dahin führte ein Pfad aus Holzbohlen, da der Boden hier sehr sumpfig war. Am Aussichtspunkt hatte man zum ersten Mal seit der Ankunft einen freien Blick auf das Umland, die nahen und die fernen schneebedeckten Berge. Überwältigend!

Dann kamen wir zur ersten Hütte, der Clinton Hut. Schnell fanden wir schöne Betten und richteten uns gemütlich ein. Dann entdeckten wir auf der Terrasse Eddie und Phil. Zwei Australier, die wir schon vormittags im Bus getroffen hatten. Es dauerte nicht lange und Phil bot uns einen Rum an, den er tatsächlich hier her geschleppt hatte. Ein echtes Geschenk und der Startpunkt für drei nette gemeinsame Abende auf den Hütten. Neben weiteren wechselnden Gesprächspartnern sollte später auch noch Sabine vom Bodensee dazu stoßen, mit der wir auch zusammen die zwei letzten Etappen wandern sollten. Überhaupt lernte sich nun die gesamte Hüttenbesatzung kennen. Die Leute, mit denen man drei Abende und Morgen die Hütten teilen würde. Vier jüngere Kiwis, vier junge und zwei etwas ältere Kerle aus Israel, vier Amerikaner, zwei von der Kanalinsel Gernsey, noch ein Deutscher und zwei Slowenen aus Prag. Eine witzige Truppe, alle sehr freundlich und interessant.

[ Bilder ]

Etappe zwei zog sich lang durch das Clinton Valley hindurch. Meist mit nur moderatem Anstieg. Gegen Ende jedoch lernten wir die größten Schwierigkeiten der Wanderung kennen: die Sandflies und den Regen. Sandflies sind kleine Fliegen, die erst mal harmlos aussehen. Sie stechen aber und die Stiche jucken zwei oder drei Tage sehr unangenehm und werden dick. Das Dumme ist, dass Sandflies in Fjordland überall sind. Pausen außerhalb geschlossener Räume werden somit schwierig. Vier km vor dem Ziel fing es dann noch an zu regnen, und zwar immer stärker und stärker. Es hörte auch nicht mehr auf. Später erzählte uns eine Rangerin, dass in 24 Stunden 222 mm Regen gefallen waren. In Braunschweig fallen im Schnitt pro Jahr ca. 800 mm. Also waren hier an einem Tag 1/4 der Jahresmenge (!) von Braunschweig runter gekommen. Das war so viel Wasser, dass uns die Rangerin der Hütte am Abend informierte, dass wir am nächsten Morgen auf ihr “Go“ warten mussten, bevor wir los wandern dürfen. Per Sensoren müsste erst ermittelt werden, ob wir gefahrlos Brücken und Wasserläufe passieren könnten.

Am Tag drei hörte es zum Glück am frühen Morgen erst mal auf zu regnen und wir bekamen das “Go“ der Rangerin. Es ging gleich steil zum Mackinnon Pass hinauf auf 1154 m. Nach zahlreichen Serpentinen ließ die Vegetation nach und gab den Blick frei in das hinter uns liegende Clinton Valley. Noch einige Serpentinen später hatten wir endlich den Pass erreicht und konnten das erste Mal nach Norden in das Arthur Valley blicken. Was für eine grandiose Aussicht! Alle waren begeistert und es wurden gegenseitig viele Gruppenfotos geschossen. Trotz des kalten Windes fiel es allen schwer, sich von diesem Ort zu trennen, doch nach 20 Minuten wanderten wir weiter. Zum Glück gab es oben auf dem Pass den Mackinnon Pass Shelter, wo sich ein großer Teil unser Gruppe traf, um Mittagspause zu machen. Alle waren bester Laune und es herrschte tolle Stimmung. Der Abstieg entlang des Roaring Burn war sehr spektakulär. Wo man auch hin blickte, stürzte ein Wasserfall vom Berg. Während wir über unendlich viele Stufen ca. 700 m abstiegen, fiel neben uns der laut tosende Fluss gen Tal.

Im unteren Teil ging es durch einen skurril wirkenden Wald. Fast alles war mit grün-gelbem Moos bedeckt und dadurch in ein unwirkliches Licht getaucht. Es war super anstrengend aber dabei so spannend, dass man gar nicht wollte, dass es zu Ende ging. Während des Abstiegs fing es wieder heftig an zu regnen. Am Ende des Abstiegs gab es wieder einen Shelter, in dem sich wieder große Teile der Gruppe trafen. Von hier aus machten die meisten einen 5 km-Abstecher ohne Rucksäcke zu den Sutherland Falls. Das ist mit 580 m der höchste Wasserfall Neuseelands und er ist natürlich auch in “Herr der Ringe“ zu sehen. Wir waren inzwischen alle ziemlich nass, aber diesen Höhepunkt wollen wir uns nicht entgehen lassen. Der Regen war wieder stärker geworden. Auf dem Weg zum Wasserfall mussten wir immer wieder durch knöcheltiefe Bäche waten. Je näher wir kamen, desto lauter wurde das Getöse des Wassers. Schon aus einem km Entfernung war es zu hören. Die letzten 50 m waren beeindruckend: der Wind und die Gischt schlugen uns ins Gesicht. Ca. 20 m vor dem Wasserfall ging es nicht mehr weiter. Wir kamen nicht mehr gegen die Kraft des Wassers an. Es dauerte Sekunden, bis man den Blick nach oben heben konnte, um die Höhe des Wasserfalls zu betrachten. Wenn wir schon vorher ziemlich nass waren, waren wir jetzt nach 30 Sekunden in dieser Gischt nass bis auf die Knochen. Es war toll! Nach zwei Minuten ging es wieder zurück. Länger hielt man es hier einfach nicht aus. Das Wasser lief uns jetzt oben aus den Schuhen heraus. Das war aber sehr befreiend. Auf den restlichen km mussten wir wieder durch zahlreiche Bäche waten. Durch den lang anhaltenden starken Regen waren viele davon höher als unsere Wanderschuhe angeschwollen. Da wir sowieso klitschnass waren, ignorierten wir das einfach und liefen mit guter Laune durch die Bäche, als wären sie nicht vorhanden. Letztendlich waren wir aber froh, als wir an der Hütte ankamen. Im Aufenthaltsraum war der Kaminofen schon angefeuert, alle hängten die nasse Kleidung zum Trocknen auf und es wurde ein sehr gemütlicher Abend. Wieder gab es von der Rangerin die Warnung, nicht ohne ihr “Go“ am nächsten Morgen los zu laufen…

Tag vier fing wieder mit Regen an. Es schockte uns aber inzwischen gar nicht mehr so sehr. Wir nahmen es nur noch zur Kenntnis und gingen einfach dem normalen Wanderertagesablauf nach. Aufstehen, frühstücken, waschen, packen und nach dem “Go“ der Rangerin los laufen. Den Vormittag über regnete es immer wieder und hörte dann wieder auf. Erst gegen Mittag hörte es endgültig auf und die Sonne kam raus. Die Etappe führte ziemlich flach den Arthur River entlang. Wieder konnten wir wegen der Sandflies nur kurze Pausen machen und so hatten wir um 13:45 Uhr schon die 18 km der Tagesetappe hinter uns gebracht. Wir mussten jetzt am Sandfly Point noch bis 15 Uhr auf unser Boot nach Milford Sound warten. Das war einerseits nervig, da hier die Sandflies dem Namen des Ortes alle Ehre machten. Andererseits war es sehr nett, da wir die letzte Stunde mit unseren neuen Bekanntschaften noch einmal in Ruhe genießen konnten, bevor alle wieder auseinander gingen. Wir machten viele Fotos, tauschten Email-Adressen und verabschiedeten uns traurig.Nach der kurzen Bootsfahrt mussten wir noch einmal zwei km bis zu unserer Lodge gehen. Dort genossen wir dann eine laaange Dusche und ein leckeres Abendessen im Restaurant.

Verlauf der Tour:
1 Te Anau – Shuttle nach Te Anau Downs – Bootsüberfahrt zur Glade Wharf – Wanderung zur Clinton Hut
2 Clinton Hut – Mintaro Hut
3 Mintaro Hut – Mackkinnon Pass – Southerland Falls – Dumpling Hut
4 Dumpling Hut – Sandfly Point – Bootsüberfahrt nach Milford Sound

Höhepunkte aus meiner Sicht:
– Bootstour auf dem Lake Te Anau
– Aussicht kurz vor der Clinton Hut
– Landschaft/Aussicht am Mackkinnon Pass
– Atmosphäre am Roaring Burn
– Southerland Falls
– Mitwanderer und Abendrunden auf den Hütten

[Karte]

[Höhenprofile]




[Statistik]

DatumStreckeHöhenmeterTiefenmeterDauer
07.12.20175,452391:31
08.12.201718,05681585:22
09.12.201718,378012917:56
10.12.201718,32243285:15
Summe602404181620:04

[GPS-Track]

*.gpx-Datei.